Misslingende Verständigung
Wie moderne Kommunikations-Möglichkeiten das Gegenteil bewirken
Carl-Josef Kutzbach
Mittwoch, 3. Oktober 2018
 
Wie die ganz frühen Menschen sich verständigten, ist nicht bekannt. Klar ist nur, dass schon sehr früh Laute und Gesten eine wichtige Rolle spielten. Man darf als recht wahrscheinlich annehmen, dass die Fähigkeit sich und seine Wünsche mit-zu-teilen, ein wichtiger Baustein für die Beherrschung der Welt durch den Menschen war.
Gelingt die sprachliche Klärung von Zusammenhängen nicht, sprach und spricht man von „Missverstehen“, also einem Misslingen des menschlichen Austausches, der Klärung von Interessen (Anteil haben) oder von Zielen und Wünschen.
Jahrtausende lang, war Sprache und das gesprochene Wort das Mittel der Wahl. Dann kam die Schrift, die von manchen klugen Leuten (Sokrates) als gefährlich angesehen wurde, weil anders als beim Gespräch der Autor nicht mehr mit bekommt, ob der Leser, das Geschrieben auch so deutet, wie es der Autor meinte, also die Möglichkeit der Korrektur verringert wurde.
Der Schrift folgten Brief und Postkarte, Buch, Morsen, Telegramm, Fax, E-mail,  Twitter, Bilder und Videos. Jede dieser Techniken hat Vor- und Nachteile. Wer sie kennt, kann den Übermittlungsweg wählen, der für den jeweiligen Zweck ideal ist.
Solange die Kommunikation allein über Boten und schriftliche Nachrichten erfolgte, gab es nur zwei Wege auf denen (wenn es dumm lief) die Verständigung dadurch scheiterte, dass der Eine den Kommunikationsweg „A“ und der Andere den „B“ wählte.
Im Telefonnetz mit seinen vielen Anschlüssen kam es vor, dass man bei einem Teilnehmer heraus kam, den man gar nicht anrufen wollte (egal ob durch einen technischen Fehler, oder weil man die falsche Nummer gewählt hatte) und bekam dann die Mitteilung: „Falsch verbunden!“
Heute haben wir noch viel mehr mögliche Wege, also auch sehr viel mehr Möglichkeiten, dass die Kommunikation misslingt:
Mündlich, Telefon, Schriftlich, Brief, Fax, SMS, Blog, Webseite, Whatsapp. Instagram, Facebook, um nur ein paar bekannte Verbreitungsweg zu nennen.
10 statt zwei Kommunikationswege (Bote und Brief), das bedeutet, dass die Chance sich zu verpassen nicht mehr bei 50% liegt, sondern bei 9 : 1, also nur bei 90 % liegt. Wenn aber 9 von 10 Kommunikations-Versuchen schief gehen, dann klappt die Verständigung nur noch in Ausnahmefällen mit viel Glück. Wer auf fragwürdige Wege (so genannte Soziale Medien) verzichtet, wird von einem Teil der Kommunikation ausgeschlossen. Die Gefahr, das ein Medium, ein Kommunikationsweg versagt, ist ebenfalls größer geworden.
Wenn aber die Verständigung, die Kommunikation misslingt, dann wächst das Missverstehen und damit falsche Entscheidungen.